Mittwoch, 18. Januar 2017:
Bauen ohne Grenzen und ohne Konsequenzen?

Informationsveranstaltung mit dem Klimatologen und VDI-Experten
Prof. Dr. Lutz Katzschner
zum Stadtklima und zur Baupolitik in Esslingen

Ort: Altes Rathaus der Stadt Esslingen, Schickhardt-Saal

Der Bürgerausschuss Innenstadt, die Bürgerinitiative „Zukunft RSKN“ sowie der „Verein Rettet das Greut e.V.“ laden ein       Bauen ohne Grenzen und ohne Konsequenzen ??? Eine Expertenmeinung zu den städtischen Gutachten Wann:	Mittwoch, den 18. Januar 2017 Wo:	Schickhardt Saal, Altes Rathaus Esslingen Beginn:	18.00 Uhr Ende:	20.00 Uhr Eintritt:	frei Informationsabend zu den geplanten Bauvorhaben sowie deren Auswirkungen auf das Stadtklima und die Lebensqualität in Esslingen. Rechtfertigen die städtischen Gutachten jegliche Bebauung? Wir freuen uns, als unabhängigen Experten Herrn Prof. Dr. Katzschner begrüßen zu dürfen.   	Prof. Dr. Lutz Katzschner, Diplom Meteorologe, Kassel ·	Bis 2014 Professor für das Fachgebiet Umweltmeteorologie, Universität Kassel ·	Seit 2014 Institut für Klima und Energiekonzepte ·	Seit 2012 Institut für Urbane Entwicklungen an der Universität Kassel ·	Leiter der Richtlinien-Kommission VDI 3787 Bl. 1 Klima- und Lufthygienekarten für Städte und Regionen ·	Leiter der Richtlinien-Kommission VDI 3785 Bl. 1 Klima und Planung ·	VDI-Ehrenmedaille 2016 ·	Ca. 20 Jahre internationale Tätigkeiten (Entwicklung von Stadtklimakarten, Lehrtätigkeiten) u.a. Hong Kong, Salvador, Singapore, Arnhem im Rahmen von Gastprofessuren und der International Association Urban Climate (IAUC) ·	Aktuelle Lehrtätigkeiten an der Technischen Universität München und der Chinese University Hong Kong(Die Originalinformationen zu der o.g. Veranstaltung stammen von der Homepage des Vereins „Rettet das Greut“.)

 

Das Esslinger Rathaus versucht ja seit einiger Zeit, mit eigens neu erstellten sog. „Klimagutachten“ frühere Untersuchungen zu widerlegen und die weitere Fortsetzung des Flächenfraßes, insbesondere auch die Überbauung von Kaltluftentstehungsgebieten, Frischluftschneisen und Grünzäsuren nun wieder für vollkommen unbedenklich zu erklären und damit genehmigungsfähig zu machen. Die wissenschaftliche Qualität dieser neuen „Gutachten“ kann aber nur als skandalös bezeichnet werden. Näheres dazu steht in den Dokumenten im Downloadbereich , einiges auch direkt auf diesen Seiten: „Greut-Bebauung – der Dammbruch?!“, „Neue Baugebiete durch neue Gutachten?!“ und „Möglichkeiten und Grenzen von Windströmungssimulationen“ .

Und obwohl diese neuen „Gutachten“ im klaren Widerspruch zu einer ganzen Anzahl früherer Untersuchungen stehen, fühlen sich OB Dr. Zieger, BM Wallbrecht und Amtsleiter Fluhrer durch sie ausreichend legitimiert für die Fortführung ihres ganz speziellen kommunalpolitischen Hauptanliegens: den Ausverkauf der noch verbliebenen Esslinger Freiflächen. Diese Marschroute wird aus nachvollziehbaren Gründen nach Kräften unterstützt von den hiesigen Akteuren der Immobilienwirtschaft, verkaufswilligen Grundstückseigentümern, der IHK, der Esslinger Zeitung usw. usw..

Man spricht auf dieser Seite von einem „Grundrecht des Menschen auf Wohnen“, hoch moralisch und für Gutgläubige spontan sehr plausibel erscheinend – aber dann münzt man das direkt um in ein angebliches Grundrecht der bekannten Investoren auf immer weitere Neubauflächen im Esslinger Außenbereich. Davon will OB Dr. Zieger auch im Jahr 2017 wieder so viele wie möglich durchsetzen und damit Fakten für die Ewigkeit schaffen.

Angesichts dieser klar kommunizierten Interessenslagen stehen alle Entscheidungsträger im Esslinger Gemeinderat in der persönlichen Verantwortung, die Bauvorhaben der Stadtverwaltung nicht einfach im blinden Vertrauen auf solche Auftrags-„Gutachten“ durchzuwinken, sondern in großer Ernsthaftigkeit zu einer unabhängigen Einschätzung der Risiken und Nebenwirkungen zu kommen.

Für die Esslinger Bevölkerung, und letztlich auch für die hiesige „Wirtschaft“, ist das nämlich eine Schicksalsfrage: wird man in den Tallagen heute und in Zukunft unter zuträglichen Bedingungen leben und arbeiten können? Auch ältere und kranke Menschen? Schließlich sind Hitzesommer, mangelnde Durchlüftung und die Überschreitung von Schadstoff-Grenzwerten sehr reale Probleme, die durch den Klimawandel noch ständig weiter verschärft werden – weshalb das Bundesbaugesetz eine entsprechende Vorsorgepolitik ja auch ausdrücklich vorschreibt. Aber was müsste das konkret für Esslingen bedeuten?

Im Rahmen der o.g. Veranstaltung hat Prof. Katzschner, ein international renommierter und für die einschlägigen VDI-Fachkommissionen in führender Position tätiger Klimatologe, die Zusammenhänge zwischen Flächenversiegelung, Stadtklima und Schadstoffbelastungen aus Expertensicht dargestellt. Dabei hat er sich auch sehr klar dazu geäußert, was man von den jüngsten „Gutachten“ im Auftrag des Esslinger Rathauses halten kann: sie halten einer fachlichen Überprüfung in gar keiner Weise stand. Besonders fassungslos war er über die wenigen bisher veröffentlichten Ausschnitte aus dem Gutachten der Fa. Klärle: „Hoffentlich hat die Stadt Esslingen dafür kein Geld bezahlt“!   (Hier auch die Stellungnahme dieses Portals dazu).

Und auf jeden Fall kann die bisherige Strategie, dass nämlich durch „Klima-Gutachten“ für kleinere Teilflächen wie das Greut immer wieder „bewiesen“ wird, dass solche Bauvorhaben praktisch keine Klimafolgen hätte, nach neuen VDI-Vorgaben so nicht mehr fortgeführt werden. Stattdessen braucht es eine umfassende, kompetente, nach heutigen Maßstäben erstellte Klima-Studie und ein ganzheitliches Vorsorgekonzept für die Stadt insgesamt – unter Einbeziehung des sich fortsetzenden Klimawandels.