Montag, 06.02.2017, 15 Uhr:
Spontane Kundgebung vor dem Alten Rathaus

Aus Anlass der für diesen Tag angekündigten Beschlussfassung im Esslinger Gemeinderat über den Vorentwurf zum Flächennutzungsplan 2030 (FNP 2030) haben sich interessierte Bürgerinnen und Bürger an einer Kundgebung vor dem Alten Rathaus beteiligt.

Den Anstoß dazu hatte das  Wahlbündnis „FÜR Esslingen“  gegeben, es waren aber auch Vertreter vieler anderer Organsiationen vor Ort, haben Wortbeiträge geleistet und sich an den Diskussionen beteiligt:

Bild: Spontane Kundgebung vor dem Alten Rathaus am Montag, 06. Februar 2017, 15 Uhr (1)Unter den Anwesenden war eine große Betroffenheit zu spüren – nicht nur darüber, dass durch die Fortsetzung des Flächenfraßes die Gesundheit und Lebensqualität der Stadtbewohner geschädigt werden, ohne dass man dadurch einer dauerhaften, nachhaltigen Lösung der drängenden kommunalpolitischen Probleme auch nur ansatzweise näher käme – es findet lediglich eine weitere Umdrehung der Wachstumsspirale statt, und man hat dieselben Probleme auf immer höherem Niveau (wie man an vielen anderen Ballungszentren anschaulich studieren kann).

Der andere Punkt war die unselige Spaltung der Bürgerschaft, die von den Wachstumsbefürwortern zur Rechtfertigung ihrer Anliegen mutwillig hervorgerufen wird: „Wer nicht bereit ist, Kaltluftentstehungsgebiete in den Höhenlagen und Frischluftschneisen an den Hängen für Neubauviertel zu opfern ( … und das alle paar Jahre wieder neu, bis zur endgültigen Erschöpfung!!), der missachtet das Grundrecht von sozial  Schwachen und von Flüchtlingen auf ein Dach über dem Kopf“ – so tritt ja insbesondere OB Dr. Zieger seit einiger Zeit mit großer moralischer Empörung auf.

Wer sich z.B. für die Einhaltung der VDI-Mindeststandards zum Thema Stadtklimatologie einsetzt, wird auf diese Weise zwar indirekt, aber dennoch verunglimpfend als asoziales, eigennütziges Subjekt abgestempelt (möglicherweise kein gutes Kommunikationskonzept, um ein städtisches Gemeinwesen ins 21. Jahrhundert zu führen, aber das nur am Rande).

Als ob diesen Bedürftigen nicht auf anderen Wegen schneller, besser und preiswerter geholfen werden könnte! Leider hat man sich auch in der Esslinger Kommunalpolitik diesem Bedarf jahrzehntelang nicht in ausreichendem Umfang gestellt – gehobenes Wohnen für das „Mittlere Management“ war wichtiger, und auch jetzt, ganz aktuell, sollen in Bahnhofsnähe, wo ja u.a. durch Aufgabe des Güterbahnhofs Platz für ein ganz neues Stadtviertel freigeworden ist, natürlich keine Sozialwohnungen entstehen, sondern chice große Wohnblocks für zahlungskräftige Yuppies, ein weiteres Hotel, ein weiteres Fitnesscenter und weitere Geschäftsflächen – alles Dinge, die man zwar in der gegenwärtigen Situation nicht unbedingt braucht, die aber sowohl für die Stadtkasse wie auch für die Investoren wesentlich lukrativer sind ( … und darum geht es eben im Kern).

Aber dann wird die hausgemachte Wohnungsnot eines Teils unserer Bevölkerung als Argument für weiteren Freiflächenverbrauch in höchstwertigen und sensiblen Lagen im Außenbereich missbraucht! Als ob ausgerechnet auf diese Weise wieder

„bezahlbares Wohnen für alle und hier in Esslingen“,

dieses Mantra der Wachstumsstrategen, erreicht werden könnte – das glaubt doch wohl eher niemand, oder ?!

 

Auch Esslinger Landwirte sind wieder mit zwei Treckern direkt von der Feldarbeit zu dieser Kundgebung dazugestoßen:

Bild: Spontane Kundgebung vor dem Alten Rathaus am Montag, 06. Februar 2017, 15 Uhr (2)Bild: Spontane Kundgebung vor dem Alten Rathaus am Montag, 06. Februar 2017, 15 Uhr (3)

Die Betriebsflächen der letzten auf Esslinger Gemarkung noch verbliebenen Bauernhöfe werden ja immer stärker angefressen – sie stehen der vom Rathaus angetriebenen Entwicklung in Richtung „Metropolregion“ schlicht im Weg. Aber diese Flächen waren bislang die Existenzgrundlage der Esslinger Bauern. Sie sind daher, zusammen mit den Talbewohnern, die der schlechter werdenden Stadtluft wehrlos ausgeliefert sind, die Hauptopfer der „Neuen Baupolitik“ von Dr. Zieger und seinen Unterstützern. Ihren Unmut darüber haben sie schon mehrfach in  eindrucksvollen Demonstrationen  gezeigt, Berichte und Bilder dazu gibt es u.a.  hier.)