Das Grundproblem:
Verdichtung der Ballungszentren auf Kosten der Regionen

Grenzenlose „Urbanisierung“ als zerstörerischer Automatismus – auch in Esslingen

Dieses private und unabhängige Internet-Portal www.esslingen-adieu.de will mit vielfältigen Analysen und Kommentaren dazu beitragen, öffentliches Bewusstsein für zwei der größten Probleme unserer Zeit zu schaffen:

Die fortschreitende Entwertung der menschlichen Lebensräume und, damit einhergehend,
der Verlust an ökologischer Funktionsfähigkeit in Bezug auf die Naturgüter Luft, Wasser und Boden.

Dabei geht es um folgende Tragödie, welche sich sowohl kleinräumig (regional/national) wie auch großräumig (international/global) abspielt.

Auf der einen Seite werden die (derzeit) prosperierenden Ballungsräume immer weiter verdichtet:

  • die „Wirtschaft“ konzentriert sich immer stärker dort, arbeitssuchende Menschen folgen ihr notgedrungen nach und verlassen ihre Heimatregionen,
  • Gebäude, Straßen, Infrastruktureinrichtungen aller Art werden dort ausgebaut und nehmen immer größere Flächenanteile ein,
  • sog. „Grünzäsuren“, landwirtschaftliche Flächen, freie Landschaft, Baumwiesen, Park- und Gartenflächen usw. usw. werden dort dementsprechend immer weiter reduziert.

Auf der anderen Seite kümmern und sterben – auch ganz in unserer Nähe! – die Regionen außerhalb der Ballungsräume:

  • die Wirtschaftsstrukturen lösen sich auf
  • Erwerbsgrundlagen entfallen
  • Menschen ziehen weg
  • Gebäude und Infrastruktur sind im Niedergang.

Als ein konkretes Beispiel dazu folgende Presseschlagzeile:

„Dörfer schrumpfen und vergreisen. Frankfurt dagegen wächst Jahr für Jahr um die Einwohnerzahl einer Kleinstadt“
[Esslinger Zeitung vom 20. Januar 2017]

Das sind die zwei Seiten von ein- und derselben Medaille. Und auf beiden Seiten werden Schäden angerichtet, die mit menschlicher Kraft nie wieder behoben werden können.

Diese Entwicklung ist also, auf beiden Seiten, das Gegenteil von Nachhaltigkeit. Oder neudeutsch ausgedrückt: eine echte „loose-loose-Konstellation“, bei der, abgesehen von den Bauinvestoren in den Ballungszentren, alle Seiten systematisch verlieren. Aber man verkauft uns das als unausweichlichen Sachzwang – wer hier nicht mitmachen mag, unterminiert angeblich die Funktionsfähigkeit der Wirtschaft, den Wohlstand der Menschen und die moralisch gebotene Unterstützung von sozial Schwächeren, die doch dringend Arbeitsplätze und „bezahlbaren Wohnraum“ benötigen.

Dabei verleugnen die zahlreichen Protagonisten dieser Entwicklung mittlerweile ganz offen eine eigentlich doch unbestreitbare Tatsache: dass nämlich das Siedlungswachstum, gerade in den Ballungsräumen wie der Region Mittlerer Neckar, zwangsläufig irgendwann zu einem Ende kommen wird – spätestens dann, wenn alle irgendwie rentabel nutzbaren Teile der Gemarkungsflächen vollständig überbaut sind. Zugegeben -von diesem Zustand sind wir, im Gegensatz zu Mexico City und Tokio, derzeit noch etwas entfernt, aber schauen Sie genau hin: wir nähern uns dem von Jahr zu Jahr immer weiter an …. unaufhaltsam  ….. unaufhaltsam ?!

Welche Lebensbedingungen die Menschen dann aber haben werden, welche Luftqualität und welche Lärmbelastung herrschen werden, welche hydrologischen Verhältnisse und welche Artenvielfalt bei Flora und Fauna dann noch gegeben sein werden, das sind bange Fragen.

Esslingen und der Ballungsraum Mittlerer Neckar können, bestimmten Akteuren zufolge, nur durch fortwährendes Wachstum vor einem wirtschaftlichen Niedergang und vor einer demographischen Katastrophe bewahrt werden. Dabei sprechen die Antreiber, die Organisatoren und die Propagandisten es nicht aus, aber man ist sich wohl durchaus darüber im Klaren, dass dieses Wachstum auf Kosten anderer, insbesondere der direkten Nachbarn geht – denn schon heute und nur wenige Kilometer entfernt, wie z.B. im Filstal, trifft man die Symptome von Verarmung und Verwahrlosung überall an, z.B. großflächige Gewerbebrachen, heruntergekommene Stadtviertel, Bahnhöfe usw..

Aber trotzdem und gerade deswegen geht man in Esslingen jetzt daran, die letzten Wiesen zu überbauen, die letzten Bauern zu verdrängen, Kindern ihre Bolzplätze zu nehmen, und auch vor ausgewiesenen Landschaftsschutzgebieten und bislang noch bewusst freigehaltenen Frischluftschneisen schrecken Gemeinderat und Stadtverwaltung mittlerweile nicht mehr zurück – mit der Parole, nur durch permanentes Wachstum könne man den allgemeinen Niedergang der Stadt, der Wirtschaft und der Wohnbevölkerung aufhalten.

Im Zuge dieser fortschreitenden Verdichtung und dieses andauernden Verbrauchs an freier Landschaft verliert die Stadt Esslingen nun innerhalb weniger Jahrzehnte ihren über viele Jahrhunderte gewachsenen Siedlungscharakter und ihren ganz speziellen Charme. Esslingen wird immer mehr auf wenige Kern-Funktionalitäten reduziert: Wirtschafts- und Schulstandort, Verkehrsdrehscheibe, verdichtetes Wohnen, Unterhaltungszentrum.

Aber was ist mit Naturflächen, mit der Fähigkeit zur Regeneration von Luft und Wasser? Ökologische Trittsteine für den Artenerhalt? Verbrauchernahe Erzeugung frischer und gesunder Lebensmittel? Freiraum für neugierige und bewegungsfreudige Kinder? Stadtnahe Erholungsgebiete für die Bürgerschaft, mit freiem Blick zum Himmel und auf natürlichen Boden?

In Hinsicht auf diese lebenswichtigen Erfordernisse sind mittlerweile nur noch die Waldflächen einigermaßen respektiert – dank einem derzeit noch starken landesgesetzlichen Schutz. Alles andere, Garten- und Ackerflächen, Baumwiesen, Grünzäsuren, worüber die Stadtoberen weitgehend in eigener Machtvollkommenheit bestimmen können, wird in Esslingen nun in kleineren und größeren Schritten den vorgeblichen Zwängen des Siedlungswachstums geopfert.

Aber leider wird selbst dieser schnelle Verbrauch unseres Natur- und Kulturerbes nicht wie erhofft und behauptet die strukturelle und nachhaltige Gesundung unseres städtischen Haushaltes und die Lösung der wirtschaftlichen und demographischen Probleme bewirken – er wird nur ermöglichen, dass man noch ein paar Jahre genauso nicht-nachhaltig weiterwirtschaften kann wie bisher, außerhalb eines zukunftsfähigen Gleichgewichtes, und währenddessen von der ererbten Substanz leben kann. Nur ein Strohfeuer für ein paar Jahre also.

Man muss aber auch erkennen: Esslingen und der Ballungsraum Mittlerer Neckar sind für diese zerstörerischen Entwicklungen nur ein Beispiel unter vielen. Dieser Megatrend wird sich also voraussichtlich nicht mehr aufhalten oder gar umkehren lassen. Zu groß ist der Druck, den eine Vielfalt von interessierten Akteuren in dieser Richtung aufbaut, zu groß die Löcher in den Stadtkassen, und zu groß die tatsächliche Not eines Teils der Bevölkerung, die mit als Begründung dafür hergenommen wird, dass wir im großen Stil von der Substanz leben.

Mittlerweile gilt es daher bei den meisten unserer (Polit-)Manager – und auch bei vielen Bürgerinnen und Bürgern! – als vollkommen uncool und „retro“, sich auf irgendwelche „Grenzen des Wachstums“ zu besinnen oder gar verbindlich festzulegen.

Solche Grenzen gibt es aber durchaus, jedenfalls in der physikalischen Realität dieser endlichen Welt, und wer glaubt, das ignorieren zu können, wer also zum Beispiel glaubt, alle paar Jahre, zur Behebung von dieser oder von jener Malaise, immer wieder neue Baugebiete auf den Markt bringen zu müssen, wirkt (wissentlich oder unwissentlich) mit an der Zerstörung der Grundlagen für zukünftiges Leben.

Dieser letztlich von unserem Finanz- und Wirtschaftssystem auferlegte Zwang zu unaufhörlichem Wachstum und zum fortwährenden Verbrauch von Landschaft und anderen natürlichen Ressourcen beschädigt die Qualität und Kultur des menschlichen Zusammenlebens und den Schutz von Natur und Umwelt also nicht nur in Esslingen, sondern überall.

Aber für uns hier heißt es nun seit einiger Zeit mit zunehmender Klarheit und ganz konkret:

„Esslingen – adieu    ….    hallo Ballungszentrum!“

So läuft insbesondere der Ausverkauf der wichtigsten natürlichen Ressource, nämlich des Erdbodens, mit hohem Druck auf allen Ebenen. Hier nur als Beispiele:

  • Mit Ausnahmegenehmigungen und Befreiungen, gerne auch bebauungsplanwidrig, wird von der Stadtverwaltung eine radikale Verdichtung der Bestandsgebiete ermöglicht und vorangetrieben, z.B. auch die Überbauung von zuvor noch planungsrechtlich gebotenen und geschützten Gartenflächen.
  • In kurzfristiger Beschlussfassung schieben Stadtverwaltung und Gemeinderat die großflächige Überbauung der für das Innenstadtklima besonders wichtigen Frischluftschneise im Greut an.
  • Und durch einen neuen Flächennutzungsplan, oder, nach zwischenzeitlichem Ansinnen, sogar ganz ohne neuen Flächennutzungsplan (ist ja eigentlich auch egal … im Esslinger Rathaus hat man einen in jeder Hinsicht sehr flexiblen Begriff von „Baurecht“), sollen dann gleich wieder die nächsten Baugebiete in den Hanglagen, in den Streuobstwiesen und in den Ackerflächen vorbereitet werden.

Das alles ist einfach sehr traurig – denn hier geht für Esslingen, genauso wie für die nähere und fernere Umgebung, grundlegende Substanz und Qualität endgültig verloren, ohne dass irgendeine Art von nachhaltigem Gewinn entsteht!

Diese Internetseite soll ein Forum sein, um dieser Trauer Ausdruck zu geben.

Hier wird in der kommenden Zeit durch verschiedene Einzelbeiträge zu erklären versucht, welche Antriebskräfte hinter den Entwicklungen stehen. Und dass wir einer, was die Lebensqualität angeht, schrecklichen Zukunft entgegengehen, wenn wir es nicht schaffen, den in unserer Wachstumsökonomie zur übermächtigen Sucht gewordenen Flächenfraß durch vernünftige politische und gesetzliche Gestaltung zu beenden.

Da die Kommunen in Bezug auf Einwohnerzahl und Gewerbeansiedlung untereinander in einer selbstzerstörerischen Konkurrenz stehen, müsste das natürlich auf Landes- oder Bundesebene geschehen.

Damit kein Missverständnis entsteht: Die von den Autoren dieser Web-Seite vertretene Ansicht ist nicht, dass man den städtebaulichen Status Quo in Esslingen und anderswo einfach konservieren sollte. Das geht nicht, und das kann deshalb auch nicht die Forderung sein. Ganz im Gegenteil – die Siedlungsräume von Menschen müssen sich ständig weiterentwickeln. Das sollte aber in Harmonie mit den natürlichen Lebensgrundlagen und den Lebensbedürfnissen der Menschen geschehen – sonst wird wenig später ein bitteres Erwachen kommen.

Wenn jedoch „Weiterentwicklung“, den Denkmodellen der derzeit Verantwortlichen entsprechend, kurzerhand gleichgesetzt wird mit kontinuierlichem Wachstum, Flächenfraß und ständig fortschreitender Verdichtung, dann taugt das nur bis zu dem Punkt, an dem alle irgendwie rentabel bebaubaren Freiflächen vernutzt und eine weitere Nutzungsverdichtung gegenüber der betroffenen Bevölkerung nicht mehr durchsetzbar ist.

Das heißt, mit einem solchen eindimensionalen Verständnis von „Weiterentwicklung“ wird eine wirkliche, also zukunftsfähige und nachhaltige Weiterentwicklung  mehr und mehr blockiert.

Anders ausgedrückt: der Raubbau, den wir heute an den Naturschätzen Boden, Luft und Wasser betreiben, nimmt uns selber und vor allem auch den kommenden Generationen zunehmend die Gestaltungsspielräume und Lebensmöglichkeiten.

Und das, um es noch einmal zusagen, ist einfach traurig. Von den Antreibern, Organisatoren und Propagandisten dieser Entwicklung wird uns zwar ständig eingebläut, dass es aus wirtschaftlichen Gründen gar keine Alternative mehr gibt, und mit pseudowissenschaftlichen Rechenkunststückchen (Näheres dazu siehe unter www.esslingen-adieu.de/neue-baugebiete-durch-neue-gutachten) versucht uns auch Daniel Fluhrer, der innovative Wachstumsstratege vom Esslinger Stadtplanungsamt, immer wieder zu beruhigen – dass nämlich bei Bodenversiegelung, Verkehrsdichte, Luftqualität, Lärm usw. die äußersten Belastungsgrenzen noch lange nicht erreicht wären – aber das alles ist für die Betroffenen nicht wirklich ein Trost.

Diese ganze zerstörerische Entwicklung kann wahrscheinlich nicht mehr aufgehalten werden – zu viele Akteure profitieren gegenwärtig noch davon.

Aber … vielleicht besteht ja doch noch ein kleiner Funke Hoffnung – denn:

„Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist“
(Victor Hugo, 1802-1885).

Und für die Idee, dass wir bei der Bebauung der uns noch verbliebenen Freiflächen nicht ewig weiter voranschreiten können,

OBWOHL doch scheinbar so viele Gründe dafür sprechen (!!),
und OBWOHL so viele Interessen damit verknüpft sind (!!!)

– für diese Idee ist möglicherweise die Zeit gekommen ?!


‌‌Vielleicht gleich weiter mit   Ganz zuletzt ….“ ?!

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